Aus weiblicher Perspektive

Zwei Ausstellungen eröffnen im Schloss Wolfsburg

Am Mittwoch, 4. März, hat das Stadtmuseum im M2K im Schloss Wolfsburg gleich zwei Ausstellungen eröffnet, die Frauengeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven in den Mittelpunkt rücken. Im Gartensaal fand die Doppeleröffnung von Sichtbar! Frauen* erzählen Wolfsburg sowie in Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsreferat der Stadt Wolfsburg und der VVN-BdA Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus statt, zu der Oberbürgermeister Dennis Weilmann begrüßte. Im Anschluss fand im Gewölbekeller der Vortrag Frauen im Widerstand mit Dr. Frauke Geyken statt.

„Die Doppelausstellung setzt ein wichtiges Zeichen für Sichtbarkeit, Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung. Frauen haben Wolfsburg geprägt – in Geschichte und Gegenwart. Ihre Leistungen, ihre Perspektiven und auch ihr Mut im Widerstand gegen Unrecht verdienen unsere volle Aufmerksamkeit. Das Stadtmuseum schafft hier Raum für Austausch, Beteiligung und historisches Bewusstsein“, betont Oberbürgermeister Dennis Weilmann.

„Die beiden Ausstellungen zeigen auf unterschiedliche Weise, wie wichtig es ist, Frauengeschichte sichtbar zu machen. ‚Sichtbar! Frauen* erzählen Wolfsburg‘ lebt von der Zusammenarbeit mit vielen Beteiligten aus der Stadt und macht genau diesen Prozess zum Teil der Ausstellungswerkstatt. Das ist eine starke Form kultureller Teilhabe und ein wichtiger Impuls für die kulturelle Arbeit in Wolfsburg“, sagt Kai-Uwe Hirschheide, Erster Stadtrat und Kulturdezernent.

Frauengeschichte in Wolfsburg sichtbar machen Sichtbar! Frauen* erzählen Wolfsburg ist vom 5. März bis 12. Juli zu sehen. Die Ausstellungswerkstatt knüpft an das Projekt #Zusammen – deine Geschichte in Wolfsburg an, das im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit Bürger*innen entstanden ist, und bündelt den partizipativen Ansatz in einem thematischen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen Frauen in Wolfsburg und die Frage, wer in der Stadtgeschichte sichtbar ist und wer nicht. Themen sind unter anderem das Frauen-Zimmer als Ort für Austausch und Vernetzung, die Entwicklung des Gleichstellungsbüros, Frauennetzwerke sowie wirtschaftliche Wege wie Firmengründungen.

Auch leise Spuren werden sichtbar, etwa in der Sorge- und Care-Arbeit in Familien, Nachbarschaften und Ehrenamt. Frauen prägen und prägten diese Stadt, dennoch bleiben ihre Perspektiven in historischen Erzählungen häufig unsichtbar oder werden auf stereotype Bilder reduziert. Die Ausstellungswerkstatt setzt hier an und zeigt ihre Inhalte auf ganz unterschiedliche Weise: durch Interventionen in der Dauerausstellung, die vorhandene Objekte und Erzählungen neu lesen, durch eigens gestaltete Stationen, an denen Beteiligte sich selbst und ihre Perspektiven vorstellen, sowie durch eine Timeline zur Frauengeschichte, die regionale Ereignisse mit überregionalen Entwicklungen in Beziehung setzt.

Als Ausstellungswerkstatt ist Sichtbar! nicht als fertiges Ergebnis gedacht. Während der Laufzeit sammelt, erprobt und ergänzt das Projekt weitere Perspektiven, Geschichten und Materialien und macht diesen Prozess sichtbar. Die Zusammenarbeit mit Wolfsburger Partner*innen prägt die Ausstellungswerkstatt besonders. Beteiligt sind unter anderem das Frauennetzwerk S.E.W. e.V., das Frauenzentrum Frauen-Zimmer, die Lebenshilfe Wolfsburg sowie die Gruppe Only Ladies. Darüber hinaus bringen sich weitere Einzelpersonen mit ihren Geschichten, Objekten und Perspektiven ein und werden sichtbar.

Mutig dem Gewissen folgen

Gleichzeitig startet im Rahmen dieser Doppeleröffnung die Ausstellung Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus vom 4. bis 13. März. Die vom Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 gestaltete Ausstellung würdigt mutige Frauen, die sich der Gewalt und Unterdrückung des NS-Systems entgegenstellten. 18 Biographien machen deutlich, auf welch vielfältige Weise Frauen dem Regime die Gefolgschaft verweigerten. Sie verfassten und verteilten Flugblätter, boten Verfolgten Unterschlupf oder klärten im Ausland über das Unrecht in Deutschland auf. Immer folgten sie ihrem Gewissen und setzten damit ihr Leben aufs Spiel. Der Anteil dieser Frauen im Kampf gegen den NS-Staat ist in der Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt. Vorgestellt werden sehr unterschiedliche Lebenswege, darunter bekannte Widerstandskämpferinnen wie Lore Wolf, aber auch weniger bekannte wie Carola Karg sowie weitere Porträts, etwa von der Künstlerin Lotte Laserstein und der Schriftstellerin Erika Mann.

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellungen:

Lesung

Lesung aus Lore Wolf, Ich habe das Leben lieb Montag, 9. März, 18:00 Uhr im Gewölbekeller Schloss Wolfsburg Im Rahmen der Ausstellung Nichts war vergeblich. Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist eine Lesung aus Lore Wolfs Text Ich habe das Leben lieb mit Mecki Hartung geplant. Die Lesung knüpft an die Ausstellung an und macht die Erfahrungen einer der porträtierten Widerstandskämpferinnen aus der Ich-Perspektive hörbar. So ergänzt sie die biografischen Porträts um eine unmittelbare, persönliche Stimme und eröffnet einen eigenen Zugang zu Mut, Haltung und den Konsequenzen widerständigen Handelns.

Zwischen Frauen und Leerstellen

Öffentliche Themenführung

Samstag, 7. März, 15:00 Uhr Treffpunkt Foyer des Stadtmuseums im M2K, Ticket im Eintrittspreis enthalten Wolfsburgs Geschichte steckt voller beeindruckender Frauen – bekannter und solcher, die fast vergessen wurden. Die Führung zum Weltfrauentag macht ihre Geschichten sichtbar und lädt dazu ein, über Macht, Sichtbarkeit und Geschlechterrollen damals und heute ins Gespräch zu kommen.

Familientag im Stadtmuseum zum Weltfrauentag Sonntag, 8. März, 12:00 bis 18:00 Uhr, Kreativangebot um 14:00 Uhr Stadtmuseum im M2K, Eintritt frei Im Stadtmuseum im M2K wird Stadt- und Schlossgeschichte auch für Familien zum gemeinsamen Erlebnis. Eine Rallye führt spielerisch durch die Ausstellungen in den Remisen des Schlosses Wolfsburg und lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen – mit einem Schwerpunkt auf die Frauengeschichte. Dazu gibt es historisches Spielzeug, das ausprobiert werden kann und einen direkten Zugang zu früheren Alltagswelten eröffnet.

Ergänzend zur Rallye gibt es um 14:00 Uhr ein Kreativangebot. So lassen sich einzelne Themen vertiefen, Eindrücke weiterdenken und eigene Ideen einbringen, ohne dass der Museumsbesuch seinen leichten, gemeinsamen Charakter verliert.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellungen werden zur Eröffnung bekannt gegeben. Bitte beachten Sie die Angebote rund um den Weltfrauentag.